Dr. med. vet. Friederike Unkel-Mohrmann

Kleintierpraxis Itzehoe

Läufigkeit der Hündin



Läufigkeit der Hündin – soll man sie verhindern?

Hündinnen werden normalerweise 2 x im Jahr läufig: Mit Beginn der äußerlich sichtbaren Blutungen reifen die Eizellen heran, die dann, je nach Hündin, 7 bis 20 Tage später befruchtungsfähig sind. Dies ist die sogenannte "gefährliche" Zeit, in der die Hündin auch besonders attraktiv für Rüden riecht!

Warum soll man etwas gegen die Läufigkeit unternehmen?

Neben der ständigen unangenehmen Belästigung durch Rüden und dem Risiko der ungewollten Trächtigkeit sowie der sogenannten "Scheinträchtigkeit" steht bei den Überlegungen zur Verhinderung der Läufigkeit vor allem die Gesunderhaltung der Hündin selbst im Vordergrund.

Etwa 25% der älteren Hündinnen bekommen Mammatumoren (Brustkrebs). Viele dieser Tumoren sind bösartig und bilden Metastasen in anderen Organen – besonders in der Lunge – die letztendlich tödlich sind.

Bitte glauben Sie niemandem mehr das frei erfundene Ammenmärchen, eine Hündin müsse erst werfen, bevor man sie kastriert - das ist wirklich hahnebüchener Unsinn! Auch hilft eine Trächtigkeit nicht gegen eine spätere Scheinträchtigkeit!

Eine rechtzeitige und überlegte Kastration ist die beste Vorsorge gegen Mammatumoren aber auch gegen die sogenannte Pyometra (eitrige Gebärmutterentzündung):

Denn etwa weitere 20% der unkastrierten Hündinnen erkranken daran lebensgefährlich. Wird die Vereiterung rechtzeitig erkannt – was leider manchmal sehr schwierig ist – kann das Leben des Tieres oft nur noch durch eine Notoperation gerettet werden.

Die Läufigkeit birgt also für etwa 45% der Hündinnen ein unter Umständen tödliches Risiko, deshalb sollte man nur die ausdrücklich zur Zucht benötigten Rassehündinnen dieser Gefahr aussetzen.

Wie wird eine Läufigkeit verhindert?

Eine Möglichkeit ist die

regelmäßige Behandlung mit Hormonen.

Da Hündinnen keinen Monats-, sondern einen Halbjahres–Zyklus haben, werden ihre Eierstöcke nicht mit der "Pille", sondern mit einer langzeitwirkenden Hormonspritze ruhiggestellt. Wählt man diese Behandlungsart, muss zunächst eine Läufigkeit abgewartet werden. Zwei bis drei Monate später (in der Ruhephase der Eierstöcke) erfolgt nach einem Scheidenabstrich, mit dem der Zyklusstand überprüft wird, die erste Spritze, der sich alle 4 Monate weitere Spritzen anschließen.

Vorteile dieser Behandlung:

  1. Die Hündin wird nicht operiert (kein Narkoserisiko, keine möglichen Wundheilungsstörungen).

  2. Die Hündin kann, wenn gewünscht, doch noch wieder läufig werden und Welpen bekommen.

  3. Die Kosten der Läufigkeitsverhinderung sind zwar insgesamt, über das Leben gerechnet, höher als bei einer Kastration, sie fallen aber nicht auf einmal an, sondern "in Raten".

Nachteile:

  1. Die Hormonbehandlung bietet keinerlei Krebsvorsorge. In der Rückschau erkranken fast alle hormonbehandelten Patientinnen an Tumoren des Gesäuges.

  2. Die Hündin behält ihre Gebärmutter, kann also Zeit ihres Lebens scheinträchtig oder, wenn die Zeitabstände bei der Spritze nicht genau eingehalten werden, läufig und damit auch trächtig werden. Zudem kann sie an einer Pyometra lebensgefährlich erkranken.

  3. Eine Hündin wird nach Hormonbehandlung häufig träger und zu fett, wenn sie dieselbe Futterration erhält wie vor der Behandlung. Man muss ihr deshalb oft ein kalorienreduziertes Futter geben.

Die zweite Möglichkeit der Läufigkeitsverhinderung ist die

Entfernung der Eierstöcke und der Gebärmutter, also die Kastration.

Eine Sterilisation, nämlich die Unterbindung der Eileiter mit Belassen der Eierstöcke im Körper, wird bei der Hündin NICHT durchgeführt, weil sie dann ja immer noch läufig würde.

Die Wahl des Operationszeitpunktes bietet einen zusätzlichen

Vorteil:

Wird die Hündin entweder vor der ersten Läufigkeit im Alter von etwa 5 Monaten oder aber zwei Monate nach der ersten (!) Läufigkeit kastriert, hat sie ein deutlich geringeres Risiko, jemals an bösartigen Mammatumoren zu erkranken.

Kastrationen nach einer späteren Läufigkeit bieten diesen Vorteil nur noch begrenzt. Sie verhindern jedoch die meisten Scheinschwangerschaften. Außerdem werden sie, im Gegensatz zu einer Not-OP bei einer eitrigen Gebärmutterentzündung, gut vorbereitet und geplant, bei einem dadurch deutlich verringerten Narkoserisiko, durchgeführt.

Die Psyche der Hündin erleidet durch eine Kastration normalerweise keinen Schaden, ein "Minderwertigkeitskomplex" wie beim Menschen ist nicht bekannt.

Risiken

birgt eine Kastration aber trotzdem:

  1. Die Operation muss, da der Bauchraum eröffnet wird, natürlich unter Vollnarkose durchgeführt werden.
    Vor der Narkose wird Ihr Tier gründlich untersucht, um mögliche Vorschäden weitesgehend auszuschließen und den allgemeinen Gesundheitszustand so gut wie möglich einzuschätzen.
    Anschließend führen wir– wie inzwischen wieder in vielen Krankenhäusern in der Humanmedizin – eine gut steuerbare "Injektionsnarkose" durch. Eine Helferin ist alleine für deren Überwachung verantwortlich. Nach der Operation bleibt die Hündin auf der Aufwachstation unter Beobachtung, bis sie soweit wieder hergestellt ist, dass sie alleine – zwar noch etwas schwankend aber dennoch – wieder laufen kann.

  2. Die Hündin muss nach dem Eingriff für 10 bis 14 Tage streng ruhig gehalten werden und hat Leinenzwang – bei manchen lebhaften Damen ein schwieriges Unterfangen!

  3. Einige Rassen können nach der Operation ein "fusseliges" Babyfell bekommen. Überlegen Sie, ob Sie diesen Schönheitsfehler ertragen können!

  4. Manche kastrierten Hündinnen können im Alter den Urin nicht mehr so gut halten, weil ohne die Eierstockshormone der Blasenschließmuskel erschlafft (sogen. "Altersinkontinenz"). In den meisten Fällen kann diese Komplikation aber durch bestimmte Medikamente gut behoben werden.

  5. Auch bei kastrierten Hündinnen stellt sich, wie bei hormonbehandelten, der Stoffwechsel um: sie brauchen nicht mehr so viel Futter, werden aber noch mit der gleichen Menge versorgt. Wie jedes andere Lebewesen werden auch kastrierte Hündinnen NUR vom Fressen, nicht aber vom Operieren dick.
    Deshalb empfehlen wir, der kastrierten Hündin mindestens 3 Monate lang nach der Operation 1/3 weniger Futter zu geben!
    Wir bieten Ihnen nach der Kastration kostenlose Gewichtskontrolltermine und ggf. entsprechende Beratung bezüglich einer unter Umständen nötigen Umstellung der Fütterung für Ihren Liebling an.
    Gelingt es Ihnen, das richtige Futter und die richtige Menge für Ihre Hündin zu finden, wird sie auch nach einer Kastration schlank und damit auch aktiv bleiben.

Fazit

  • Hündinnen, die regelmäßig läufig werden und solche, die regelmäßig Hormonspritzen erhalten, bekommen häufig im mittleren Alter Mammatumoren.

  • Hündinnen, die regelmäßig läufig werden und solche, die regelmäßig Hormonspritzen bekommen, können an einer lebensbedrohenden Gebärmuttervereiterung erkranken.

  • Eine Kastration vor oder kurz nach der ERSTEN Läufigkeit schützt vor Mammatumoren.
    Die Hauptrisiken liegen in der Narkose und der Möglichkeit der Altersinkontinenz.

  • Eine Gewichtskontrolle und eine bedarfsgerechte Ernährung werden sowohl bei operierten als auch bei hormonbehandelten Hündinnen dringend empfohlen.

  • Eine Hündin mit unregelmäßiger Läufigkeit könnte an Eierstockszysten leiden und sollte kastriert werden.

Wenn Sie sich für die Kastration Ihrer Hündin entscheiden, finden wir gemeinsam den für IHR Tier richtigen Zeitpunkt!

Fragen Sie uns!

  

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